Langwedeler Häuslingshaus

Ein großer Preis für ein kleines Haus!

Die Projekthistorie

Am Anfang stand die Frage, ob das Langwedeler Häuslingshaus (Auf dem Sandberg 11), ein Gebäude der früheren niederbäuerlichen Gesellschaftsschicht, erhalten werden soll und kann oder nicht. Verschiedene Faktoren waren zu bewerten: Spricht der historische Wert für einen Erhalt? Kann das Haus über den musealen Wert hinaus für kulturelle Zwecke und damit für die Bürgerschaft der Gemeinde nutzbar und nützlich sein? Wie kann eine Sanierung/Restaurierung finanziell bewältigt werden?

Zum historischen Wert haben Hausforscher der Interessengemeinschaft Bauernhaus und des Nds. Landesamtes für Denkmalpflege die Antwort gegeben:

„… Noch seltener als das bloße Vorkommen (der Hausform des „Küchennischenhauses“; Anmerkung des Autors) dürfte der Befund im Innern des Langwedeler Hauses sein, der – von Umbauten der letzten Jahrzehnte frei – den historische Zustand aus der Mitte des neunzehnten Jahrhundert (und in Einzelzügen davor) so darstellt, wie es in der Kombination von Raumgefüge, Grundriss, Raumfassungen und besonderen Einzelbefunden (Rauchfang) der Fall ist.“

„… besitzt das Langwedeler Häuslingshaus innerhalb des angemessenen typologischen Vergleichsrahmens eine besondere Bedeutung und damit auch insgesamt für das Verständnis der hiesigen ländlichen Kulturgeschichte, die nicht auf ihre oberschichtlichen Segmente reduziert werden darf.“

Als Ergebnis der historischen und soziokulturellen Bewertungen erhält das Langwedeler Häuslingshaus den Status eines Baudenkmals – das einzige im Flecken Langwedel!

Das Urteil über den Wert des Hauses wird ergänzt durch Ergebnisse einer restauratorischen Befunduntersuchung von Raum-Farbfassungen durch die Restauratorin Frau Christiane Maier, Hamburg. Dabei wurden vor allem farbliche Wandgestaltungen im Flettbereich des Hauses dokumentarisch gesichert, die zur Beurteilung der Wohnkultur der niederbäuerlichen Schicht erstaunliche Erkenntnisse von wissenschaftlichem Wert offenbaren und zwar vermutlich bis zurück um das Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Vielzahl von Gestaltungsschichten wurden identifiziet, die in ihrer ganzen Vielfalt konserviert wurden.

Seit Ende 2008 wurde über ein Nutzungskonzept nachgedacht und verschiedentlich in der Langwedeler Öffentlichkeit vorgestellt. Ziel ist es, im Rahmen der Aktivitäten des Langwedeler Kulturvereins e.V. generationsübergreifende Veranstaltungen anzubieten, z. B. Figurentheater und Ferienspaßaktionen für Kinder, Lebensberichte von Senioren („Erzählcafe“), Ausstellungen mit lokalen Bezügen etc. Die Ideen zur Nutzung sind fortlaufend in einem Nutzungs- und Finanzierungskonzept dokumentiert worden und als Grundlage für die Einwerbung von Finanzmittel verwendet worden.

Zur Finanzierung des Projektes „Sanierung des Langwedeler Häuslingshauses“ gehören die erforderlichen Mittel zum Erwerb des Grundstücks, das zum Gebäude gehört und die Gelder zur eigentlichen Restaurierung des Hauses. Zur Finanzierung des Grundstücks hat die Gemeinde Langwedel den Hauptteil gegeben. Den Rest konnte der Langwedeler Kulturverein e.V. aus Spenden lokal ansässiger Firmen, aus Spenden von Privatpersonen und aus den Einnahmen einer ehrenamtlich durchgeführten Hofauflösung beisteuern. Für die Restaurierung des Gebäudes wurde Zuwendungen der Stiftung der Kreissparkasse Verden, der Nds. Bingo Stiftung, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Nds. Landesamtes für Denkmalpflege und der LGLN, RD Verden (EU-Mittel) gegeben.

Allein mit Barmitteln aus den verschiedenen Quellen könnte die Sanierung des Häuslingshauses nicht gestemmt werden. Zu einem großen Teil war ehrenamtliche Mitarbeit gefordert. Mehrere Bürger Langwedels haben sich dazu bereit erklärt.

Bei den verschiedenen öffentlichen Präsentationen zur Sanierung des Häuslingshauses hat der Langwedeler Kulturverein e.V. viel Zustimmung erfahren, von Privatpersonen wie vom Langwedeler Ortrat und dem Verband der Selbständigen Langwedels. Soweit gegenteilige Meinungen überhaupt geäußert wurden, beruhten sie oft auf mangelde Information über den Wert des Hauses und seinen vorgesehenen Nutzungszweck. Leider muss auch eine gängige Geisteshaltung vermutet werden, die in der Vergangenheit zur unwiederbring-lichen „Entkernung“ des historischen Erbes alter Ortschaften geführt hat.

Am 07. März 2012 lag die Baugenehmigung für unser Vorhaben vor und der Langwedeler Kulturverein e. V. ist seit 04. April 2012 Eigner des Grundstücks, das zum Häuslingshaus gehört. Damit wurde der Weg frei, mit den Bauarbeiten am Häuslingshaus zu beginnen nachdem schon im Jahre 2011 durch Abriss eines alten Fachwerkgebäudes reichlich Ergänzungsmaterialen für die Wiederherstellung des Häuslingshauses beschafft wurden. Seit am 03. Mai 2012 ware die ersten direkten Baumaßnahmen am Häuslingshaus mit ehrenamtlichen Helfern im Gange und auch die ausführende Spezialfirma für Sanierungen alter Fachwerkgebäude hatte ihre Arbeiten begonnen.

Und nach eineinhalb Jahren und 6.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeiten am Haus von Vereinsmitliedern und Nicht-Vereinsmitgliedern sowie Spendern konnte das Langwedeler Häuslingshaus am 18. Oktober eingeweiht und seiner kulturellen Bestimmung übergeben werden.Damit ist nicht alle Arbeit getan. Auch das umfangreichen Kulturprogramm des Langwedeler Kulturvereins e.V. erfordert erheblichen Einsatz. Dafür sind zusätzliche Helfer sehr willkommen.

Autor: W. Ernst, 14.08.2011; neu ab 05.12. 2014

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Ein Gesamt Abhandlung über die Historie des Häuslingshauses, der Bauhistorie, die Einweihungsfeier und des Nutzungskonzepts liegt in gedruckter Form vor und ist noch in einigen Exemplaren verfügbar. Interessierte können diese Abhandlung über den Vereinsvorstand für 12,00 € erwerben.